1970

Salz der Erde
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Metro
Payerbach
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Über die Ausstellung im »Blauen Reiter« – kuratiert von Dieter Schrage – kam es zu Kontakten mit Hans Jascha und über Projekte an der TH Wien mit Wolfgang Brunbauer und Günter Matschiner. Schleifend, schrittweise formierte sich die Gruppe Salz der Erde aus ZÜND-UP und den vorher Genannten. An den gemeinsamen Projekten »Aktion Payerbach« – Kritik an der Architektursituation, »Aktion Salzburg« kritische Auseinandersetzung mit der Kultur, »Schöner Wohnen« – Kritik an Familienidylle und Wohnsituation und »Metro« – Stellungnahme zum Wettbewerbswesen und städtischen Bedingungen, sind einige sich entwickelnde Zielsetzungen der Gruppe Salz der Erde ablesbar. Die Gruppe war kein geschlossener Clan, sondern es wurden weiterhin Kontakte zu »Alternativen« gesucht wie etwa zur Wohngemeinschaft Paulanergasse: Ferry Stahl, Robert Horn, Guggi David usw. – Künstlerinitiativen, Heinzi Leitner, Beppo Pichler, Hans Praetterhofer, Wolfgang Walkensteiner, Mark Mack, die auch bei unterschiedlichen Aktionen der Gruppe Mitakteure waren. Letzthin war der Film »Schöner Wohnen« ein Klassiker der Salz-der-Erde-Zusammenarbeit: Freiheit der Idee, finanziert vom ORF, Einsatz neuester Bluebox-Technik und großes EngagBeteiligten. Leider konnte das letzte Projekt »Wohnpfeil«, vorgesehen für eine gemeinsame Ausstellung der Wiener Architekturgruppen im Museum des 20. Jahrhunderts, durch den frühen Tod von Direktor Alfred Schmeller nicht mehr realisiert werden. [ TH ] HITL, KISTL, KRIPPL, TAFERLN

Der erste öffentliche Auftritt von Salz der Erde ist »Hitl, Kistl, Krippl, Taferln«, eine »Aktion zur Beendigung der Salzburger Festspiele«, die am 30. August 1970 am Salzburger Mirabellplatz stattfindet.
Einer der übergeordneten Ideen von Salz der Erde entsprechend, die sich gegen etablierte, festgefahrene kulturelle Strukturen richtet, wird Salzburg mit seinen Festspielen als »Bühne« gewählt. Die Generalprobe zu diesem kulturkritischen »Schaudenken für Sonntagsspaziergänger« findet am gleichen Tag der Aufführung vor der Wallfahrtskirche Maria Plain statt, und bereits dort kommt es aufgrund der vorgetragenen Texte zu Auseinandersetzungen mit dem Pfarrer und der Gendarmerie. Mit dem Hinweis darauf, dass es sich lediglich um Proben für ein Theaterstück handle, kann eine Anzeige abgewendet werden.
Danach wird die Kulisse für »Hitl, Kistl, Krippl, Taferln«, die aus dem »ZÜND-UP-Triptychon« (Taferl), dem Modell des Auto-Expanders (Krippl) und einem aus Resopalplatten gebauten Marmorturm (Hitl) besteht, aus dem sich schwarzes Altöl ergießt, vor dem Schloss Mirabell, dem Salzburger Magistrat, aufgebaut; jeder Kulissenteil des Straßentheaters steht jeweils für einen bestimmten Bereich der intendierten Architektur- bzw. Kulturkritik.
Im Verlauf des provokanten »Schaudenkens« wird aggressiv mit den Versatzstücken der Kulisse, die dabei teilweise zerstört werden, agiert und das Manifest gegen die Festspiele choralartig verlesen.