1969

The Auto Expander
Hot Tar and Level!
Das Röhren des Jahrhunderts
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Der Auto-Expander wird als monumentales Objekt in Form eines Flippers (Kugelspielautomaten) konzipiert, in dem der Benützer des Autos Phantasiewelten erleben kann. Die Karosserie kann durch verschiedenste Schmuckaufsätze verändert werden und das Fahrzeug selbst in einem spielerischen »Destroy-game« zerstört und als kleines Paket mit nach Hause genommen und letztlich im Garten begraben werden. In einer speziellen »Behandlungsebene« des Flippers kann das Auto zum Rennwagen auffrisiert und über zwei Röhren in 20 Meter Höhe durch die Kärntnerstraße in das Dach des Stephansdoms gejagt werden. Nachdem der Fahrer »das Röhren des Jahrhunderts« erlebt hat, wird er durch Bremsfallschirme abgefangen. Für die Zwischenpräsentation an der Technischen Hochschule wird ein farbiges Riesenposter hergestellt, das unterstützt durch intensive Motorengeräusche, die Idee des Projekts vermitteln soll. Zur Endpräsentation wird eine multimediale Show in der Tiefgarage Am Hof organisiert, das Projekt wird durch Pläne an den Wänden der Waschboxen und das große schwarze und aggressive Modell des Auto-Expanders, unterstützt durch Diaprojektionen und Zeitgeist-Sound von Jimi Hendrix und den Rolling Stones, erklärt und gezeigt. Als zusätzliche in die Präsentation eingebundene Attraktion werden vierzig Mitglieder der Harley-Davidson- und Norton-Motorradclubs eingeladen, um die Faszination und Power der Maschinen zu dokumentieren.
Professor Schwanzer, der das Projekt zu beurteilen hat, nimmt die Einladung zum Erlebnis einer Motorradfahrt in der Tiefgarage wahr und erkennt den Auto-Expander letztlich als positives Übungsergebnis an.

Transport des Auto-expanders zur Präsentation an der TH – Lehrkanzel Professor Karl Schwanzer
Mysterium über die Ringstraße:

Auf dem Stubenring fährt noch die Linie 8, das MAK ist noch das Österreichische Museum für angewandte Kunst, das Café Prückl hat noch keinen Schanigarten, es bläst der Herbstwind. Drei Gestalten, mehr schwarz gekleidet, der eine weißes Hemd mit Krawatten-Signal, ziehen einen vierrädrigen rumpelnden Karren über die Kreuzung Wollzeile neben der Fahrbahn des Rings.
Ernste Gesichter, übernächtigt, gearbeitet, getrunken, gekifft? Es scheint um ein ernstes, wichtiges, schwieriges Vorhaben zu gehen.
Die alte Transportkarre, Gummiräder, verrottete Holzauflagen aus den Bildhauer-Ateliers Rustenschacher Allee, bisher die Steinplastik gewohnt, für diesen ehrenhaften Zweck zwischenzeitlich entlehnt. Wird dieses wertvolle Gefährt jemals seinen schattigen Ausgangsort wiederfinden?
Ein nächtlicher Einschleichbesuch im Wohnatelier der Bildhauer – einer der vier, die jetzt drei sind, suchte mit seiner Freundin einen Ort für die Liebe, fand den Hof mit den drohenden steinernen Gestalten, über den Transportwagen gestolpert, in die Duschen der Bildhauer vorgestoßen, nackte lachende Bildhauer, Wasch- und Brunz-Geräusche aus den Duschkabinen. Ein neues Liebesnest musste gefunden werden, war nicht so schwer.
Was bisher geschah: Ein Modell des Auto-Expanders war gebaut worden, schwarzer Kasten mit Motorteilen, aggressiv abstehend, schwarzer Hängehoden mit der hervorstoßenden Doppelröhre. In der Früh des Tages der Präsentation ein Fototermin mit den übernachtigen ZÜND-UP-Stars und den genialen Fotografen Gert Winkler und Michael Pilz. Der Schritt in die Öffentlichkeit musste, sollte, konnte dokumentiert werden. Die drei ziehen ihren Karren zukunftswärts Richtung Technische Hochschule. Die vier Ritter der ZÜND-UP-Runde reiten über die historische Ringstraße mit ihrer Quadriga, zaudernd zwar, einer der Fotograf, einer den Blick gesenkt, einer das Auge absichernd nach rechts, aber Feldherren beim Einmarsch in die eroberte Stadt gleich. Wir hören das Rumpeln der Räder und der alten Holzlatten im Metallrahmen, die Deichsel fühlt sich eisern kalt an. Es geht dem großen Professor Schwanzer entgegen, Projektpräsentation. Was wird er sagen, denken, urteilen, die Idee exhibitioniert sich, der ZÜND-UP-Gedanke Auto-Expander wird Öffentlichkeit. Das schwarze Unding Expander – einem Flipper abendlich elegant, aggressiv, archaisch, sexuelles Symbol Doppelröhre, das Röhren unseres Jahrhunderts einer Waffe gleich. [ TH ]